Am Samstagabend bebte die ausverkaufte Porsche-Arena in Stuttgart: Der „King of Rap“ Kool Savas hatte geladen – und die Arena war bis unter das Dach gefüllt. Schon vor Beginn lag eine spürbare Spannung in der Luft. Viele Fans waren nicht nur aus der Region angereist, einige nahmen sogar über acht Stunden Fahrt auf sich, um diesen Abend live mitzuerleben.
Starker Auftakt: Yako eröffnet den Abend
Pünktlich um 20 Uhr betrat Support-Act Yako die Bühne und eröffnete den Abend mit ordentlich Energie. Für ihn war es das erste Konzert dieser Größenordnung – die Aufregung war spürbar, doch genau das machte seinen Auftritt sympathisch. Das Publikum nahm ihn wohlwollend auf und sorgte früh für die passende Stimmung.
Keine 20 Minuten später war es dann soweit.

Essah ist zurück – und wie!
Unter lautem Jubel betrat Kool Savas die Bühne – Essah ist zurück in Stuttgart. Mit brachialer Energie startete er ins Set, die Aufschrift – 50 Jahr Kool Savas getagt im Hintergrund, Tracks wie Rapkiller brachten die Halle zum Kochen . Immer wieder suchte er die Interaktion mit dem Publikum: „Wer ist nicht aus Stuttgart?“ Zahlreiche Hände schnellten nach oben.
Mit Songs wie Futurama, Rapper wie Du und Limit bewies Savas seine Vielseitigkeit zwischen kompromissloser Battle-Attitüde und emotionalen Momenten. Zwischendurch wurde sogar Kendrick Lamars – Not Like Us angemixt – ein Hype-Moment, der zeigte, wie verspielt Savas sein Set gestaltet und gleichzeitig internationale Rap-Kultur zitiert.
Humor, Herz und Hip-Hop-Kultur
Typisch Savas: Zwischen den Songs gab es immer wieder Anekdoten. Er erzählte von seiner Zeit in Stuttgart, von der Neuen Weinsteige, verlorenen Führerscheinen und den dadurch resultierenden zwei absolvierten MPUs – und mahnte gleichzeitig augenzwinkernd: „Wenn ihr heute sauft, fahrt bitte nicht mit dem Auto.“
Für Lacher sorgte auch die Ansage zu seiner Sängerin, die „nicht aus Berlin“ sei – ihr müsse man erst mal den Slang beibringen. Gemeinsam mit dem Publikum wurde „Dicka, was los mit dir?“ geübt.
Am emotionalsten wurde es, als Savas ankündigte: „Ich würde gern was fürs Herz raushauen.“ Die ersten Töne von Krieg und Frieden setzten ein – und plötzlich bekam der Moment eine noch tiefere Bedeutung.
Mitten im Song holte Kool Savas seinen Sohn auf die Bühne. Die Crowd reagierte erst überrascht, dann überwältigt. Und was dann passierte, war mehr als nur ein süßer Familienmoment: Sein Sohn griff selbstbewusst zum Mic und rappte – mit Flow, Timing und krassen Lines, die klar machten, dass das Talent offenbar in der DNA liegt. Für einen Augenblick verschmolzen Generationen auf dieser Bühne. Vater und Sohn, vereint in einem Track, der ohnehin schon unter die Haut geht.
Zum großen Finale regnete schließlich goldenes Konfetti von der Decke. Die Menge erhob sich geschlossen, feierte ihren King of Rap und seinen Sohn mit einem ohrenbetäubenden Applaus – ein Meer aus Respekt und Liebe.




Gäste, Throwbacks und Tribute
Ein besonderes Highlight war der Track Immer wenn ich rhyme mit Parts von Wegbegleitern wie Olli Banjo, Moe Mitchell und Curse die alle auf die Bühne kamen. Bei Monstershit, übernahm dann das Publikum lautstark den Azads Part.
Für zusätzliche Ausrufezeichen sorgten weitere Special Guests: Takt32, Kaas und Badmómzjay standen ebenfalls mit auf der Bühne.
Mit Badmómzjay performte Savas Airplanes und Deine Mutter – eine energiegeladene Kombi, die Oldschool-Attitüde und neue Generation mühelos verband.
Über 30 Jahre verbindet Savas mit seinem langjährigen Weggefährten Sido – intensiv wurde die Zusammenarbeit vor allem 2017 beim gemeinsamen Albumprojekt. Geschichten aus L.A., Studio-Sessions in München und die Entstehung von Neue Welt rundeten den nostalgischen Part ab.
Für einen der denkwürdigsten Momente des Abends sorgte Kaas. Von Savas angekündigt als „ein Stuttgarter – und ein absoluter Irrer“, der „heute wieder ein Statement rausgehauen hat, das ihn umgehauen hat“, betrat er unter tosendem Jubel die Bühne. Gemeinsam performten sie Brainwash. Kaas bewies einmal mehr seine exzentrische Energie – inklusive seines legendären Moves: „Wenn der in den Club geht, hat er seinen eigenen Tanz“, witzelte Savas. Die Crowd feierte jede Sekunde.
Mit Aura verwandelte sich die Halle in ein Lichtermeer, bevor um 22:08 Uhr erstmals alle die Bühne verließen.




Die Zugaben: Eko, Optik und pure Eskalation
Natürlich blieb es nicht dabei. In der ersten Zugabe standen Klassiker im Fokus – Songs, die untrennbar mit Eko Fresh verbunden sind: Das Urteil, Optik Anthem und Der beste Tag meines Lebens. Das Publikum feierte jede Zeile und verwandelte die Arena endgültig in einen Hexenkessel.
Nach einer weiteren kurzen Pause (22:22 Uhr) folgte das große Finale. In einem humorvollen Einspieler stichelte Freddy Lau gegen „Sprayer Savas“ und fragte provokant, was er da eigentlich für „Kinderkram“ mache – schließlich sei er 50. Der Clip sorgte für viele Lacher im Publikum, bevor Savas anschließend mit voller Wucht auf die Bühne zurückkehrte.
„Von ganzem Herzen danke an alle, die das möglich gemacht haben“, sagte er sichtlich bewegt. Ausverkauft, Stuttgart, eine Show, die alles beinhaltete, was seine Karriere ausmacht. „Ihr seid der Killer!“
Rotes Konfetti regnete von der Decke, alle Beteiligten kamen noch einmal gemeinsam auf die Bühne – Band, Backup-Rapper, Gäste. Um 22:30 Uhr endete ein Konzert, das von brachialer Energie, Humor, Nostalgie und echter Hip-Hop-Liebe geprägt war.
Kool Savas hat in Stuttgart nicht einfach nur eine Show gespielt – er hat ein Statement gesetzt. Mit ganz eigenem, intensiven Vibe, wie er selbst sagte. Wer an diesem Abend dabei war, hat Hip-Hop-Geschichte live miterlebt.
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