Obstwiesenfestival 2026 – Freitag: Regen, Rap und eine Menge Energie
Der Freitag beim Obstwiesenfestival 2026 beginnt mit eher durchwachsenem Festivalwetter. Regen statt strahlendem Sonnenschein, nasse Wege und die Frage, ob man sich heute lieber ins Zelt oder doch vor die Hauptbühne stellt. Doch spätestens nach den ersten Takten ist klar: Das Wetter wird an diesem Abend höchstens zur Nebensache. Zwischen psychedelischem Garage Rock, politischem Rap, Indie-Disco und einer gehörigen Portion Wahnsinn entwickelt sich der Freitag zu einem der abwechslungsreichsten Tage des Festivals.
Meatbodies – Kalifornien gegen das schlechte Wetter
Den Anfang unseres Festivaltages machen Meatbodies aus Kalifornien. Das Zelt ist zu Beginn noch angenehm leer, draußen regnet es – eigentlich keine idealen Voraussetzungen. Doch die Band schafft es erstaunlich schnell, das Wetter vergessen zu machen.
Mit ihrem irgendwo zwischen Surfer Rock, Garage und Psychedelic Rock angesiedelten Sound schicken Meatbodies eine gehörige Ladung verzerrter Gitarren ins Zelt. Es wird geschrammelt, gedröhnt und immer weiter aufgedreht. Besonders der exzentrische Bassist sorgt dafür, dass der Blick immer wieder auf die Bühne wandert.
Die Band arbeitet regelrecht mit ihren Gitarren und Verstärkern. Was zunächst noch etwas verhalten beginnt, steigert sich von Song zu Song. Plötzlich fühlt sich der graue Freitagabend weniger nach Regen und mehr nach kalifornischer Sonne an. Ein ziemlich guter Start in den Festivaltag.

Fatoni – Politik, Wahnsinn und Taschenlampen
Danach geht es auf die Hauptbühne zu Fatoni. Während wir noch mit dem Regen vom Weg zum Festival kämpfen, hat Fatoni längst andere Baustellen im Blick. Politik gehört bei ihm selbstverständlich dazu. Er spricht über die Bundestagswahl und den Rechtsruck, über die 18 Prozent AfD-Stimmen in seinem Wahlkreis – und darüber, was eigentlich gerade in diesem Land passiert.
Fatoni ist dabei nicht einfach nur politisch, sondern vor allem Fatoni: ironisch, pointiert und immer mit einem gewissen absurden Humor. Dazu gibt es Songs von seinem neuen Album und eine kleine „Weltpremiere“, die sich – natürlich – als nichts weiter als eine dreiste Lüge herausstellt.
Mit dabei: Tillmann Bruhns an den Drums und Tereza, von Fatoni angekündigt als „schönster DJ aus Ostberlin“.
Zwischendurch wird es persönlicher. „Du wartest“ steht auf der Setlist, später geht es um die Frage, wann der Wahnsinn endlich wieder aufhört. Und auch der Tour-Hinweis für Stuttgart darf nicht fehlen – Tickets gibt es schließlich noch.
Ein besonderes Highlight ist „Bussard“, der aus Fatonis Serie „Kacken an der Havel“ stammt. Eine ziemlich spezielle Kombination aus Rap, Humor und Popkultur, die beim Publikum bestens funktioniert.
Zum Schluss wird es noch einmal richtig groß: Bei „Alles zieht vorbei“ verwandelt sich das Publikum in ein Meer aus Handlichtern. Brennende AfD-Flaggen, Zigaretten und alles Mögliche scheint durch die Menge zu ziehen. Ein starkes, beinahe surreales Festivalbild – und ein würdiger Abschluss eines politisch aufgeladenen Sets.

Master Peace – Das Zelt wird zur Indie-Disco
Nach dem politischen Rap geht es zurück ins Zelt. Master Peace hat einen klaren Auftrag: „I want you to turn this into an Indie Disco.“
Gesagt, getan.
Von der ersten Minute an wird geklatscht, getanzt und gesprungen. „This one for the ladies“ ruft Master Peace ins Publikum, bevor mit „I wanna, I wanna“ die nächste Mitsingpassage folgt. George an den Drums sorgt dabei für ordentlich Druck.
„This is going nuts“, stellt Master Peace irgendwann fest – und viel besser lässt sich die Situation eigentlich nicht zusammenfassen. „Turn this place upside down“ ist keine bloße Ansage, sondern wird zum Programm.
Die Mischung aus Indie, Pop und Disco funktioniert hervorragend. Das Zelt wird zur Tanzfläche, und der Regen draußen ist endgültig vergessen.

Bibiza – Rockstar-Momente auf der Hauptbühne
Anschließend wartet mit Bibiza einer der Publikumslieblinge des Freitags. Songs vom erst wenige Wochen zuvor erschienenen neuen Album treffen auf ältere Nummern – und vor allem auf ein Publikum, das erstaunlich textsicher ist.
„Sie will einfach tanzen“ gehört zu den Momenten, bei denen die erste Reihe endgültig übernimmt. „Ich bin unterwegs und hab heute keine Zeit“ passt derweil fast schon perfekt zu einem Festivalabend, an dem man eigentlich ständig irgendwo anders sein müsste.
Bibiza selbst wird von der ersten Reihe gefeiert wie ein Rockstar. Es ist einer dieser Auftritte, bei denen schnell klar wird, dass zwischen Bühne und Publikum kaum Distanz besteht.
Mit „Soda Citron“ folgt ein weiterer Höhepunkt. Die Band erscheint komplett in Weiß, dazu ein silbern glänzendes Shirt – ein Look, der irgendwo zwischen Schnapsidee und konsequentem Bühnenkonzept liegt. „Franz, das war eine Schnapsidee“ heißt es passend dazu.
Dann wird es überraschend: Ein „Narcotic“-Cover taucht im Set auf, dazu „Galopp“, „Rauschgift“ und „Donau“. Bei einem der Songs geht Bibiza schließlich direkt ins Publikum.
Und auch hinter den Kulissen des Auftritts gibt es eine Geschichte: Markus steht trotz gebrochenem Fuß auf der Bühne. Der Abend kennt offensichtlich keine Ausreden.

Mit „Opernring“ geht ein Set zu Ende, das vor allem eines hinterlässt: ziemlich viele glückliche Gesichter.

Battlesnake – Metal, Kreuz und kompletter Wahnsinn
Im Zelt wartet anschließend Battlesnake – und wer jetzt glaubt, der Abend könne nicht noch absurder werden, wird eines Besseren belehrt.
Schon optisch passt hier nichts in die Kategorie „normal“. Ein Kreuz hinter dem Schlagzeug, alle Bandmitglieder in ihren auffälligen Outfits und eine Show, die mehr nach völlig durchgedrehter Metal-Parodie als nach gewöhnlichem Festivalauftritt aussieht.

Der absolute Wahnsinn folgt, als sich einer der Musiker auf das Gerüst wagt. Battlesnake machen aus ihrem Auftritt ein Spektakel, bei dem man sich nie ganz sicher ist, was als Nächstes passiert.
Genau für solche Momente liebt man Festivals.

ok.danke.tschüss – Der Freitag bekommt seinen letzten großen Moment
Später geht es noch einmal auf die Hauptbühne zu ok.danke.tschüss. Nach Gitarren, Rap, Indie-Disco und Metal-Wahnsinn schlägt der Abend noch einmal eine etwas andere Richtung ein.
Die Band verbindet eingängige Indie-Pop-Momente mit persönlichen und manchmal melancholischen Texten. Gleichzeitig bleibt die Energie des Abends erhalten. Das Publikum ist längst im Festivalmodus angekommen – müde Beine hin oder her.

Und genau darin liegt vielleicht die Stärke dieses Freitags: Es gibt keinen roten Faden und braucht auch keinen. Meatbodies lassen uns von Kalifornien träumen, Fatoni hält uns den politischen Wahnsinn vor Augen, Master Peace verwandelt das Zelt in eine Indie-Disco, Bibiza macht die Hauptbühne zum Rockstar-Spielplatz und Battlesnake treiben den Irrsinn schließlich auf die Spitze.
Fazit: Regen? Egal. Hauptsache Obstwiese.
Der Freitag beim Obstwiesenfestival 2026 zeigt einmal mehr, warum dieses Festival so besonders ist. Es braucht keine riesigen Namen oder eine perfekt durchgestylte Festivalwelt. Stattdessen gibt es Musik, die überrascht, Künstler, die etwas zu sagen haben, und Bands, bei denen man vorher nicht unbedingt weiß, was einen erwartet.
Der Regen gehört an diesem Abend genauso zum Festival wie die matschigen Schuhe. Denn spätestens wenn im Zelt die ersten Gitarren losdröhnen, Master Peace das Publikum zur Indie-Disco erklärt oder bei Fatoni tausende Taschenlampen durch die Dunkelheit ziehen, spielt das Wetter keine Rolle mehr.
Ein Freitag zwischen Garage Rock, politischem Rap, Indie-Pop, Disco und völligem Metal-Wahnsinn – und damit genau das, was ein guter Obstwiesenfestival-Tag sein sollte: überraschend, bunt und vor allem ziemlich viel Spaß.
Obstwiesenfestival 2026 – Samstag: Geschwister, Taschenlampen und 25 Jahre Itchy
Nach dem regnerischen Freitag zeigt sich das Obstwiesenfestival am Samstag von seiner etwas freundlicheren Seite. Die Wege sind noch vom Vortag gezeichnet, die Stimmung aber längst bestens. Musikalisch wird es wieder abwechslungsreich: von melancholischen Momenten über lauten Alternative Rock bis hin zu Punk, Indie und internationalen Gästen. Und zwischendrin gibt es einen ganz besonderen Festivalmoment mit Taschenlampen, der wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Somebodies Child – Ein Moment für den Frieden
Den Samstag beginnen wir mit Somebodies Child. Die Band bringt zunächst eine eher nachdenkliche Stimmung auf die Obstwiese. Zwischen Indie und emotionalen Gitarrenmomenten geht es immer wieder um die großen Themen.
Besonders hängen bleibt ein Song über Frieden. „Never found light, so pray for us“ heißt es darin – ein Satz, der an diesem Nachmittag für einen kurzen, intensiven Moment für Ruhe sorgt.
Nach dem energiegeladenen Freitag ist es ein schöner Einstieg in den zweiten Festivaltag: etwas ruhiger, aber keineswegs belanglos.
PunchBag – Erst Technikprobleme, dann volle Energie
Bei PunchBag läuft zunächst nicht alles nach Plan. Technische Probleme sorgen für einen etwas holprigen Start. Doch weder Band noch Publikum lassen sich davon die Stimmung verderben. Im Gegenteil: Die Band bleibt gut gelaunt und macht aus der Situation einfach einen Teil der Show.
Zwischendurch stellt sich die Band sogar noch einmal ausführlicher vor. Sie kommen aus London – und normalerweise bleibt bei einem Festivalauftritt kaum Zeit, solche Geschichten zu erzählen.
Dann geht es richtig los.

Die Sängerin und der Gitarrist sind Geschwister, erzählt sie dem Publikum. Außerdem haben PunchBag bereits einige Songs in Deutschland geschrieben. Dass sie bisher noch nicht besonders häufig weiter südlich in Deutschland gespielt haben, macht den Auftritt auf der Obstwiese umso besonderer.
Musikalisch können PunchBag dabei beide Seiten. Nach den lauten Momenten wird es plötzlich deutlich ruhiger. Die Sängerin wechselt in eine tiefere Stimmlage und zeigt, dass hinter der Energie auch eine überraschend verletzliche Seite steckt.
Irgendwann bekommt das Publikum eine ungewöhnliche Aufgabe: Alle sollen sich hinsetzen. Ein Moment, der auf einem Festival zunächst fast ungewohnt wirkt – aber genau deshalb funktioniert.
Mit „What’s in My Bag“ geht es anschließend wieder zurück in die etwas wildere Richtung. PunchBag haben spätestens jetzt bewiesen, dass technische Probleme am Anfang kein Hindernis für einen gelungenen Auftritt sein müssen.

Itchy – 25 Jahre Punkrock und ein ganz besonderer „Oh Boy“-Moment
Danach wird es auf der Hauptbühne laut. Itchy feiern 25 Jahre Bandgeschichte – und natürlich darf bei diesem Jubiläum auch ein Blick nach vorne nicht fehlen. Das neue Album soll im Oktober erscheinen.
Dass Itchy inzwischen auf eine ziemlich lange Geschichte zurückblicken können, merkt man dem Auftritt an. Alte Songs treffen auf neues Material, und selbst eine spontane Änderung der Setlist gehört an diesem Tag dazu.
Besonders schön: Die Band hat eine enge Verbindung zum Obstwiesenfestival. Seit dreieinhalb Jahren ist Bobbes ein wichtiger Teil dieser Geschichte. Für ihren besten Freund haben Itchy einen Song geschrieben – und für diesen Moment brauchen sie die Hilfe des Publikums.

Die Bitte ist einfach: Handys und Taschenlampen einschalten, Lichtzeichen setzen.
Kurz darauf leuchtet die Menge.
Der Song heißt „Oh Boy“ und wird zu einem der emotionalsten Momente des Samstags. Tausende kleine Lichter bewegen sich durch das Publikum, während Itchy ihren Song spielen. Ein Moment, der deutlich macht, dass Festivalatmosphäre manchmal weit mehr ist als nur laute Musik.

Danach geht es wieder zurück zum Punkrock. „Hey Still Bother“ sorgt für ordentlich Bewegung vor der Bühne.
Zum Schluss wird noch einmal die Rollenverteilung getauscht: Max übernimmt die Gitarre, Sibbi sitzt an den Drums. Dazu gibt es ein „I Don’t Care“-Cover als letzten großen Moment.
25 Jahre Itchy – und offensichtlich noch lange kein Grund, kürzer zu treten.

REDD. – Australische Energie auf der Obstwiese
Anschließend geht es mit REDD. weiter. Die Band aus Australien bringt internationale Festivalatmosphäre auf die Bühne und zeigt gleichzeitig, dass man sich auch am anderen Ende der Welt ein bisschen auf Deutsch verständigen kann.
Zwischen den Songs gibt es immer wieder ein paar deutsche Worte – eine kleine, sympathische Verbindung zum Publikum.

Musikalisch bleibt es energiegeladen und treibend. Nach dem emotionalen Itchy-Moment ist REDD. genau der richtige Kontrast: weniger Rückblick, mehr nach vorne.
Maxïmo Park – Grüße aus Ulm und „Apply Some Pressure“
Später steht mit Maxïmo Park noch ein echtes Highlight des Samstags auf dem Programm. Die britische Indie-Rock-Band hat vor ihrem Auftritt offenbar bereits einen ziemlich guten Tag in der Region verbracht.
„We had a nice day. We were in Ulm.“
Viel Wasser in der Stadt habe es dort gegeben, erzählt die Band. Ulm und Umgebung bekommen außerdem gleich noch ein kleines Kompliment: „Nice part of the world.“
Dann geht es musikalisch zur Sache.
„Apply Some Pressure“ darf natürlich nicht fehlen und bringt genau die Energie auf die Bühne, für die Maxïmo Park seit Jahren bekannt sind. Zwischen treibenden Gitarren, Indie-Rock und großen Melodien zeigt sich, warum die Band auch nach all den Jahren noch hervorragend auf ein Festival wie das Obstwiesenfestival passt.

Mit „Boko Yout“ und „Orbit“ geht der Auftritt weiter – und spätestens jetzt ist klar, dass der Samstag musikalisch wieder ziemlich viele Facetten abgedeckt hat.


Fazit: Ein Samstag zwischen Gefühl und Vollgas
Der Samstag beim Obstwiesenfestival 2026 ist ein Tag voller Gegensätze. Somebodies Child sorgen für nachdenkliche Momente, PunchBag wechseln zwischen lauten Gitarren und leisen Tönen, REDD. bringen australische Energie auf die Obstwiese und Maxïmo Park liefern britischen Indie-Rock.
Dazwischen steht mit Itchy einer dieser Festivalauftritte, die mehr als nur ein Konzert sind. 25 Jahre Bandgeschichte, ein neues Album in Aussicht und vor allem der besondere Moment bei „Oh Boy“, als das Publikum gemeinsam mit seinen Handylampen die Obstwiese zum Leuchten bringt.
Und genau solche Momente machen das Obstwiesenfestival aus. Es geht nicht nur darum, welche Bands auf der Bühne stehen. Es geht um die Geschichten dazwischen, um spontane Setliständerungen, technische Probleme, persönliche Erinnerungen und um die Momente, in denen plötzlich eine ganze Festivalmenge gemeinsam Teil eines Songs wird.
Der Samstag beweist einmal mehr: Auf der Obstwiese ist Platz für lauten Punkrock genauso wie für leise Töne – und für ziemlich viel Gefühl dazwischen.





