Drangsal – Konzert am 11.11.2016 im Keller Klub in Stuttgart

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DRANGSAL © About Musïc | Stephanie Bauer

Schon mehrmals gastierte Max Gruber gemeinsam mit seiner Band als Drangsal in Stuttgart. Erst vor wenigen Wochen war er als Support von Casper im Im Wizemann zu sehen. Heute waren aber Drangsal selbst die Headliner des Abends und spielten in einem ausverkauften Keller Klub. Kurz vor Beginn um 20:00 Uhr standen wir jedoch noch in einer gefühlt unendlich langen Schlange in der abendlich, kalten Winterluft Stuttgarts. Das ist schon immer wieder ein ungewohntes Bild für Stuttgarter Konzert Verhältnisse.

Kaum hatten wir den Keller betreten, stimmte auch schon die Vorband ihre ersten Töne an.
Der Ringer sind eine recht junge Indie Band aus Hamburg, die Anfang des Jahres ihre EP Glücklich veröffentlichten und damit voll im Trend der Zeit lagen. Ihr Sound ist nach eigener Aussage Soft-Punk. Spannend. Wir geben ehrlich zu, dass an uns der kleine Hype um die Band Der Ringer, in diesem Jahr und bis zu diesem Tag völlig unbeachtet vorbei gezogen war. Was wir an diesem Abend von Der Ringer wahrnahmen, war dann recht viel, aber auch irgendwie nichts. Uns überrumpelte von Beginn an ein brachialer Sound mit erhöhten Dezibel-Werten, so dass man sich freiwillig aus einer guten Position im vorderen Bereich des Keller Klubs weiter nach hinten fallen ließ, nur um seine Ohren zu entlasten. Viel geholfen hat es bei uns allerdings nicht. Leider war der Sound der Instrumente so dermaßen laut, dass Gesang und somit auch die Texte komplett im „Krach“ untergingen.
Sehr schade, denn so konnten wir nur ab und zu erahnen, welches Potential in Der Ringer steckt. Zwar ist der Sound bei den Supportbands meist schlechter eingestellt
aber so krass und laut hatten wir es tatsächlich noch nie erlebt.

DER RINGER © About Musïc | Stephanie Bauer

(Kleiner Nachtrag: Wir haben uns Der Ringer zu Hause und ganz in Ruhe angehört und sie machen echt gute Indie Musik mit deutschen Texten, schönen Melodien und einer eigentlich wunderbaren Klangvielfalt… das alles ging leider aufgrund des hohen Geräuschpegels unter.)

Nach einer recht kurzen Umbauphase betraten Drangsal die Bretter der kleinen Keller Bühne. Selbst ist die Band, und so  stimmten Drangsal kurz vor Beginn ihre Instrumente noch selbst. Begonnen wurde das Set mit dem retroseligen Song Der Ingrimm. Umgehend wurde deutlich, dass sich im vorderen Bühnenbereich textsichere und tanzfreudige Fans des erst 23-jährigen Max Gruber versammelt hatten. Als Begrüßung erzählte er uns, dass er noch ziemlich angeschlagen sei, letzte Nacht im Krankenhaus an einer Infusion hing und es deshalb durchaus sein könnte, dass er den Abend nicht überleben werde. Respekt, so auf die Bühne zu gehen, er sah tatsächlich fertig aus. Das lag aber nicht an seinem Kleidungsstil. Gekleidet war er nämlich eigentlich wie für einen perfekten Abend
zu Hause auf der Couch, in Adidas Jogginghose, weißem Unterhemd, charmantem Schuhwerk und einem karierten Kaschmirschal von Burberry *zwinker*. Um den
Style abzurunden trug er am Handgelenk noch das weiße Plastikband aus dem Krankenhaus. Das Bühnenoutfit des Jahres!

DRANGSAL © About Musïc | Stephanie Bauer
DRANGSAL © About Musïc | Stephanie Bauer

Es folgten weitere Songs des hochbejubelten und erfolgreichen Debütalbums Harieschaim, welches bei uns diesen Sommer hoch und runter lief. Auf Do The Dominance folgte Will Ich Nur Dich, und trotz der eigentlich teils schwermütigen Texte der Platte, bewegte sich das Publikum aktiv. Es wurde getanzt und wie man es im Keller Klub gewohnt ist, auch gepogt. Die Stimmung in dem generationenreichen Publikum bleib konstant hoch. Amüsant und super sympathisch waren auch die kleinen Anekdoten des Herrn Gruber zwischen den Songs, bei denen er durchaus Ironie und Humor bewies. Wie zum Beispiel als er das neue Album von Jennifer Rostock in einer Reihe mit dem Wahlsieg von Trump und dem Tod von Leonard Cohen nannte. “Jaja die Welt geht vor die Hunde”

DRANGSAL © About Musïc | Stephanie Bauer

Nach nur neun Songs war ein kleiner Break. Wie man das so gewohnt ist, verließen Drangsal die Bühne, um zu einem ausgiebigen Applaus wieder zurück zu kehren. Allerdings in einer anderen Aufstellung. Diesmal war Max Gruber am Schlagzeug, der Drummer Christoph Kuhn am Bass und Sam Zegarra, der während des Gigs etwas zurückhaltend und schüchtern am Bass stand, hatte das Mikrophon in die Hand genommen. Einzig der Gitarrist und Keyboarder Christoph Kuhn, blieb seinem Instrument treu. Es folgte ein treibendes Cover der MISFITS – Some Kinda Hate. Das war so gut, dass ein Zuschauer in den Raum warf, warum Sam Zegarra eigentlich nicht immer singen würde. Daraufhin antwortete Gruber mit Witz: “ja, warum eigentlich nicht“.

DRANGSAL © About Musïc | Stephanie Bauer

Als Abschluss nahm wieder jeder seinen Platz ein und es folgte der Überhit Allan Align, welcher der gesamte Publikumsmeute nochmals ordentlich einheizte. Danach haute die Band ein weiteres Cover raus. Metallica – For Whom The Bell Tolls war ein super Abschluss eines super Konzertes. Ein wirklich kurzes Konzertes mit nur 12 Songs, das für manch einen vielleicht zu kurz gewesen ist, aber wir finden, dass manchmal in der Kürze die Würze liegt. Die Nähe zur Band und zueinander war definitiv da und es machte ohne großes Schnick Schnack richtig viel Spaß.

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